Verkaufsdruck bei globalen Anleihen
Der Verkaufsdruck an den globalen Anleihemärkten verschärft sich. Besonders am langen Ende erreichen die Renditen Niveaus, die seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden. Die Rendite 30-jähriger US-Treasuries stieg auf 5.33% – den höchsten Stand seit 2007. Deutsche 30-jährige Bundesanleihen erreichten mit 3.78% den höchsten Stand seit der Eurokrise 2011, französische mit 4.9% den höchsten seit 2008. Japans 30-jährige Rendite liegt mit 4.16% nahe einem Rekordhoch.

Drei Faktoren treiben die Renditen:
- Erstens verstärken Ölpreise über USD 90 die Inflationssorgen. Mohit Kumar, Chief European Economist bei Jefferies, beobachtet, dass langfristige Renditen zuletzt weitgehend dem Ölpreis folgen.
- Zweitens belasten steigende Staatsdefizite. Die US-Staatsschulden nähern sich USD 40 Bio.; Derek Halpenny, Head of Global Markets Research bei MUFG, sieht praktisch keinen politischen Willen, die US-Fiskalposition anzugehen.
- Drittens ein neuerer Faktor: der enorme Kapitalbedarf für KI-Investitionen. Anshul Pradhan, Head of US Rates Research bei Barclays, nennt neben Defiziten und einer veränderten Käuferstruktur insbesondere die Emissionen von KI-bezogenen Unternehmensanleihen. Barclays erwartet 2026 rekordhohe Investment-Grade-Emissionen von USD 1.9 Bio., nach USD 1.44 Bio. im Vorjahr. Das zusätzliche Angebot zwingt Investoren, höhere Renditen zu verlangen (Quelle: Financial Times, Wall Street Journal, FAZ, 18.8.26).