Unsicherheit
... tough week bro!
Theorie: Riskantere Anlagen wie Aktien bieten in der Regel höhere erwartete Erträge, da Anleger für die grössere Unsicherheit eine sogenannte Risikoprämie verlangen.
Praxis heute: Angesichts der deutlich erhöhten Unsicherheit fordern Investoren eine noch höhere Risikoprämie, was zu tieferen Bewertungen und entsprechend fallenden Aktienkursen führt.
Der S&P 500 und der Nasdaq Index haben vergangene Woche – gemäss Dow Jones Market Data - in sieben der letzten neun Wochen im Minus beendet.
Enough is enough
Die jüngsten Wirtschaftsdaten bringen einen Hauch von Stagflations-Angst an die Märkte.
Stagflation ist ein wirtschaftlicher Zustand, bei dem zwei ungünstige Entwicklungen gleichzeitig auftreten, nämlich:
Stagnation: Die Wirtschaft wächst weniger oder stagniert. Die letzten Unternehmens-Meldungen u.a. von American Airlines, Delta, Nike, FedEx oder Lululemon weisen in diese Richtung
Inflation: Letzten Freitag: PCE - der Kernpreisindex für persönliche Konsumausgaben, deutet darauf hin, dass die höheren Preise weiterhin hartnäckig bleiben
Viele Ökonomen halten die Stagflation für einen der schwierigsten Zyklen, den die politischen Entscheidungsträger bewältigen müssen. Senken sie die Zinsen, verschärft sich die Inflation – erhöhen sie die Zinsen, schwächt sich die Wirtschaft noch mehr ab.
Umfrage der University of Michigan zur Verbraucherstimmung: Die Stimmung hat sich drei Monate in Folge verschlechtert. Die Amerikaner machen sich über die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik von Präsident Trump Sorgen, einschliesslich der Zölle.
Graphik: Anteil der US-Bürger, die innerhalb eines Jahres eine höhere Arbeitslosigkeit erwarten – Daten seit 1978 (Quelle: WSJ)

Wir wollen den ersten Teil doch mit Good News beenden: Aditya Bhave, US-Ökonom bei der Bank of America stellt fest: "Vertrauen ist nicht alles." Bhave argumentiert, dass es Echtzeitdaten für März gibt, die darauf hindeuten, dass die Verbraucher insgesamt immer noch zuversichtlich sind, was dazu beitragen könnte, die US-Wirtschaft über Wasser zu halten.
Geschätzte Investorin, geschätzter Investor
Die Wochenendausgabe des Wall Street Journals enthielt einen aufschlussreichen Beitrag zur aktuellen geopolitischen Lage. Die Zeitung spricht von der CRINK Allianz – eine lose Allianz mit grosser Wirkung: Wie China, Russland, Iran und Nordkorea gemeinsam gegen den Westen arbeiten. Der Bericht ist aus Sicht der USA (pdf1, Zusammenfassung von ChatGPT)
Bild: Lose Allianz der vier Staaten (rosa: Iran, Russland, rot: China, N.Korea - Quelle: WSJ)

News aus den Finanzmedien 📰
- Morgan Stanley hat europäische Aktien untersucht, die besonders stark vom Export in die USA abhängig sind. Hier die Schweizer Auswahl: Sonova, Tecan, Logitech, Medacta, VAT, Straumann. Hinweis von Morgan Stanley: Viele dieser Aktien haben bereits deutlich an Wert eingebüsst (Quelle: Morgan Stanley)
- Warten auf Klarheit: «Am 2. April will Trump Details zu globalen Zöllen veröffentlichen. Zwei entscheidende Fragen für Anleger: Kommt endlich Klarheit über den Zollfahrplan UND werden die Zollerhöhungen das globale Wirtschaftswachstum spürbar bremsen? (Quelle: Morgan Stanley)
- Autoindustrie Deutschland - sollten die Zölle so bestehen bleiben, wären sie ein „orkanartiger“ Gegenwind für ausländische und viele US-Autohersteller und könnten den Durchschnittspreis von Autos in den USA um USD 5’000 bis 10’000 Dollar erhöhen, sagen die Analysten von Wedbush. Die deutschen Autokonzerne haben letztes Jahr 445’000 Autos im Wert von USD 24,8 Mia. in die USA geliefert und damit mehr als in jedes andere Land. Die Investmentbank Jefferies beziffert die Zusatzkosten für die deutschen Konzerne je Hersteller auf USD 3 bis 3,5 Milliarden Dollar im Jahr (Quelle: Barron’s)
- Zollstreit USA-EU: Amerika ist der wichtigste Absatzmarkt für europäische Autos. 68% der EU-Exporte gehen in die USA. Der Sektor beschäftigt 13 Mio. Menschen und macht fast 10% des EU BIP aus
- Schlagzeile in der Frankfurter Allgemeinen: Haben europäische Autoaktien noch eine Zukunft? (Quelle: FAZ)
- die heutige Zoll-Situation unter Trump 2.0 wird öfters mit dem Smoot-Hawley Akt (zwei US-Senatoren) verglichen. Die beiden Senatoren haben in den 1930-er Jahren ein Zollgesetz ausgearbeitet, um die einheimische Industrie zu schützen. Der Widerstand war sehr gross. In der Ausgabe der New York Times vom 5. Mai 1930 haben 1'028 amerikanische Ökonomen den US-Kongress und Präsident Hoover aufgefordert, das Gesetz nicht einzuführen. Präsident Hoover unterschrieb jedoch am 17. Juni 1930 und damit wurden Zölle auf rund 20'000 Importwaren massiv erhöht. Konsequenz: Länder reagierten mit Gegenzöllen, der Welthandel brach ein und die Wirtschaftskrise verschärfte sich deutlich (Quelle: WSJ, Ed Yardeni «The protectionist road to depression» datiert vom 9.9.1985, Pru-Bache)
- Präsidentschaftszyklus: Die Hälfte der 16 Rezessionen seit 1926 begannen im ersten Jahr der Amtszeit eines Präsidenten. Das ist kaum ein Zufall. Eine mögliche Erklärung: Die Wahl oder Wiederwahl eines Präsidenten sorgt zunächst für ein Gefühl der Zuversicht - zumindest bei jenen, die den Wahlsieger unterstützt haben. Doch dies kann schnell in Enttäuschung umschlagen und einen wirtschaftlichen Niedergang auslösen (Quelle: Liz A. Sonders, CIO Charles Schwab)
- natürlich können sich aus Aktienmarkt-Korrekturen (-10%) auch Bärenmärkte (-20%) entwickeln. Korrekturen von -20%, die nicht von einer Rezession begleitet wurden: 1962 Attentat auf J.F. Kennedy, 1987 Black Monday, 2022 restriktive US-Notenbank und die Bewertung von Tech-Aktien. Aber es gilt: 54% von Marktkorrekturen (-10%) waren Vorläufer einer nachfolgenden Rezession (Quelle: Barron’s, Daten ab 1871 von Nobelpreisträger Robert Shiller, Yale University)
- Tesla vs. BYD: Der chinesische Konkurrent BYD hat sein neues Ladegerät vorgestellt, das deutlich schneller ist als jenes von Tesla und so schnell auflädt wie eine Tankfüllung. Mit BYDs Megawatt Flash Charging kann eine Autobatterie in einer Minute mit Energie versorgt werden, die für eine Reichweite von 80 Kilometern benötigt wird. Zum Vergleich: Teslas Supercharger schafft 18 Kilometer, Mercedes-Benz (32 km), Volvo (22 km) und Hyundai (14 km). Noch nicht genug: BYD baut in Zhengzhou, Provinz Henan, einen riesigen Campus, der 127 Quadratkilometer umfassen wird; das ist zehnmal so gross wie Teslas Gigafactory in Nevada und etwa so gross wie San Francisco. BYD baut auch in Brasilien eine Produktionsstätte, Fertigstellung 2028 (Quelle: Yardeni Research, Finbold, InsideEVs)
Diese Woche 📆
Freitag: US-Arbeitsmarktbericht
Mo: Ind. Produktion (J), Einkaufsmanager-Index (China)
Di: Tankan Bericht (J), Einkaufsmanager-Index (CH, US)
Mi: 2. April “Liberation Day” US-Finanzministerium gibt bekannt, welche Handelspartner auf der schwarzen Liste stehen
Do: 3. April – Start mit 25% US-Zöllen auf u.a. importierte Autos. Inflation (CH)
Fr: Arbeitslosenquote (CH), Arbeitsmarktbericht (USA, erw. +140k nonfarm payroll)
Quotes 🎙️
«Das Unternehmen ist wichtiger als der Preis.» Warren Buffett, US-Investor
«An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins – und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten.» André Kostolany, 1906-1999, einer der bekanntesten Börsenerklärer im dt-sprachigen Raum, Buchautor
Mit den besten Grüssen und einen guten Wochenstart wünscht,
Patrick Loser