Not bearish, but bit nervous

…zugegeben, es braucht auch nicht viel… bei mir.

Teilen
Not bearish, but bit nervous
Photo by Nicholas Cappello / Unsplash

Die US-Regierung und entsprechend “Mr. Market” verlangen momentan etwas viel von Investorinnen und Investoren. Wir erleben ein deutlich erschwertes Umfeld an den Finanzmärkten und jetzt ist es wichtig «diszipliniert» zu bleiben.  

Benjamin Graham, der grosse Value Investor, beschreibt «Mr. Market» als emotionalen Geschäftspartner, der täglich Aktien anbietet. An manchen Tagen ist er euphorisch (überbewertete Preise), an anderen depressiv (unterbewertete Preise). Intelligente Investoren nutzen seine Stimmungsschwankungen, anstatt sich davon leiten zu lassen (Quelle: Intelligent Investieren, Kapitel 8, Schwankungen am Markt, B. Graham).

… A n a l y s e  -   S t r a t e g i e  -  D i s z i p l i n

Aufgefallen:

  • der S&P500 schloss letzte Woche mit einem Verlust von -3.1%, das war die schlechteste Woche seit September 2024. Der S&P500 ist am Freitag kurz unter die 200-Tagesdurchschnittslinie (moving average) gesunken (erstmals seit Nov 23). Er hat sich aber bis Tagesschluss wieder erholt. Die 200-Tageslinie hat für Markt-Techniker eine grosse Bedeutung. Der Index notiert nun seit Jahresbeginn mit 1.9% im Minus
  • hingegen ist der deutsche DAX-Index während 8 der letzten 9 Wochen gestiegen. Es gelangt weiterhin frisches Kapital von Ost und West nach Europa. Rekordwerte verzeichneten der Euro +4.6% vs USD im Wochenvergleich und der Zinsanstieg von +0.25% auf 2.73% bei 10-j. Bunds (deutsche Staatsanleihen) letzten Mittwoch, der stärkste Tagesanstieg seit 28 Jahren (Quelle: FT)
  • das «Beige Book» der US-Notenbank fand ebenfalls Aufmerksamkeit (Zusammenzug von Wirtschaftsdaten aus den 12 Fed-Distrikten): Im Fed-Bericht wurde das Wort «Unsicherheit» 49x  erwähnt, knapp 3x mehr als im Januar-Bericht (Quelle: Fed)
  • Fed-Powells Worte von letzten Freitag: «The US economy remains in good shape, despite elevated uncertainty” (Quelle: FT)

Zum Thema «Unsicherheit» hat sich Torsten Sløk, der renommierte Ökonom von Apollo Management, geäussert:

„Das grösste Marktrisiko besteht darin, dass die politische Unsicherheit einen plötzlichen Stillstand der US-Wirtschaft auslösen könnte, bei dem die Verbraucher keine Autos mehr kaufen, nicht mehr in Restaurants gehen und nicht mehr in den Urlaub fahren und die Unternehmen keine neuen Mitarbeiter mehr einstellen und keine Investitionen mehr tätigen.» (Quelle: Apollo Mgmt)

Geschätzte Investorin, geschätzter Investor

Gerne starte ich mit einer interessanten Einschätzung von Bridgewater Associates, einem der grössten Hedge Funds der USA. Bridgewater hat eine beeindruckende Graphik veröffentlicht, die ich diese Woche mit Ihnen teilen möchte.

Bridgewater untersuchte den Zeitrahmen von 1970 bis 2024 und analysierte jeweils eine 15-Jahres-Aktienmarkt-Entwicklung. Daraus resultierten 40 US-Aktienmarkt-Perioden (in der Graphik sind 40 Linien aufgeführt) mit je einer Zeitdauer von 15 Jahren. Die erste Phase begann von 1970 – 1984, die zweite von 1971 – 1985 und die letzte Phase von 2010 – 2024.

Die blaue Linie zeigt die letzte Periode von 2010-2024, jene, die die beste Kursentwicklung aufweist.

Graphik: US-Aktienmarkt-Performance 15-Jahres Perioden seit 1970 (Quelle: Bridgewater)  

Konklusion von Bridgewater Associates:

  • die letzten 15 Jahre (2010-2024) waren aussergewöhnlich für US-Aktienanleger, eine der besten Perioden
  • die Renditen waren mehr als doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt, 12.2% vs 5.9%
  • aktuell, hohe Aktienbewertungen machen künftige, überdurchschnittliche Performance schwieriger
  • vergangene, vorteilhafte Bedingungen, die aussergewöhnliche Renditen ermöglichten, sind schwieriger für die Zukunft. Einige seltene Kombinationen waren Grund dafür: Niedrige Ausgangsbewertungen, lang anhaltende Wachstumsphasen mit wenig Inflation, Globalisierung und unternehmensfreundliche Steuerpolitik
  • viele dieser positiven Faktoren fehlen heute: Höhere Zinsen und Inflation könnten das Wirtschaftswachstum bremsen, politische Unsicherheiten (u.a. Zölle) und geopolitische Spannungen erhöhen die Risiken, De-Globalisierung oder erhöhte Regulierung
  • es gibt aber auch ausreichend Chancen (z.B. KI, Innovationen)

Fazit:

  • niemand kennt die Zukunft genau, aber bewusst mit Unsicherheit umzugehen, kann ein Vorteil sein. Anleger sollten ihre Portfolios breiter aufstellen, um für verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein

News aus den Finanzmedien:

  • rund die Hälfte aller US-Haushalte haben keine Vermögenswerte bei Beginn ihrer Pensionierung (Quelle: Apollo Mgmt)
  • die Notenbank von Atlanta korrigierte ihre BIP-Schätzung für das erste Quartal erneut auf eine Jahresrate von -2,8 %, von zuvor -1.5% (Quelle: Mauldin Economics)
  • was sagt die technische Aktienanalyse zu den Mag7: Die 50- und 200-Tagesdurchschnittslinien (MA, moving average) sind wichtig: AAPL sieht träge aus, MSFT, TSLA und NVDA handeln unter dem 200-MA, GOOG und AMZN notieren unmittelbar beim 200-MA. TSLA ist am stärksten überverkauft und hätte das Potenzial für einen technischen Rebound. META notiert deutlich über dem 200-MA und ist technisch am stärksten positioniert, Support bei USD 630 und Potenzial für 750 und 930 langfristig. Allgemein erwartet Katie Stockton bei den Mag7 eine anhaltende Phase der Konsolidierung (Quelle: Katie Stockton, Farilead Strategies, Barron’s)
  • Deutschlands historisches Konjunkturpaket wird die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone ankurbeln. Analysten von Goldman Sachs sagten, die Wirtschaft könnte um bis zu 2 Prozent wachsen, wenn das Konjunkturpaket rasch umgesetzt würde. Die alte Prognose lag bei 0,8 Prozent (Quelle: Goldman Sachs)
  • die europäischen Nationen sind zu tief beunruhigt, da Trump nicht nur bereit zu sein scheint, die Ukraine zu opfern, sondern sich auch von Westeuropa zu distanzieren. Er hat keinen Hehl aus seiner Verachtung für die EU und die Brüsseler Institutionen gemacht und erklärt, dass er es vorzieht, sich mit einzelnen europäischen Nationen zu befassen und nicht mit dem Block als Ganzes. Die Finanzmärkte werden die Finanzierung des Konjunkturpaketes in Frage stellen - vier Varianten: Steuererhöhungen – mit Risiko einer Wirtschaftsverlangsamung, Kürzungen bei anderen Ausgaben, wie Sozialausgaben – ist politisch äusserst unpopulär, wachsende Haushaltsdefizite – mit Risiko eines Zinsanstieges (LOP: höhere Verschuldung, heisst schlechtere Bonität/Kreditwürdigkeit des Schuldners, somit verlangen Investoren höhere Zinsen bei Staatspapieren, weil die Risiken grösser sind), Geldfinanzierung, d.h. Geldschöpfung durch die Zentralbank – Risiko eines Anstiegs der Inflation (Quelle: Eddy Markus, ecr)
  • die deutsche Ökonomin Veronika Grimm, Wirtschaftsweise, fordert eine grosse Umstrukturierung des Haushalts und sprach sich für unpopuläre Diskussionen aus: Aufbau eigener Waffenindustrie, Wehr- oder Dienstpflicht, Beteiligung an einem nuklearen Schutzschild, etc. «Nur grosse Summen aufwerfen, ohne klare Strategie, bringt Deutschland nichts. Einen grossen Teil des Geldes werden wir dann für Waffenimporte ausgeben, was Wachstum andernorts ankurbelt, aber nicht bei uns.» (Quelle: FAZ)

Diese Woche

💡
Inflationszahlen aus den USA am Mittwoch

Mo:  Zahlen - Oracle

Mi: Inflation (US, est. 2.9%, Kernrate 3.2%) Zahlen - Adobe

Do: Ind.Prod.(US), Prod.Preis.Index (US)

Fr: Risiko US Govt shutdown, Michigan Sentiment (US), Ind.Prod. (UK)


Quotes:

  • Ich denke, der wohlhabende Kunde, der bei Macy’s einkauft, ist verunsichert, verwirrt und besorgt über das, was passiert.“ Tony Spring, CEO von Macy’s
  • «The possibility of lower US economic growth is now talk of the town.” Mohamed El-Erian, Präsident Queens College, Cambridge Univ.
  • «Es besteht kein Zweifel, dass die Märkte einen politischen Regimewechsel einpreisen, wie er nur einmal in einer Generation vorkommt.» Jim Reid, Chef-Ökonom, Deutsche Bank

Heute passend, wie auch in meiner Mail vom 5.1.2022, die mahnenden Worte von Sgt. Esterhaus (Sergeant Phil Esterhaus an sein Polizeikorps im Film Hill Street Blues, TV-Serie der 80-er Jahre):

«Let’s be careful out there

Mit den besten Grüssen und eine gute Woche wünscht,

Patrick Loser