No news, good news
…die wichtigsten US-Indices schlossen letzte Woche im Plus. Zudem beendeten der S&P500 und der Nasdaq ihre vierwöchige Verlustserie.
Ohne neue Schlagzeilen zu Zöllen, die in der Vergangenheit immer wieder Anlegerängste geschürt hatten, konnten sich US-Aktien moderat erholen – ganz nach dem Prinzip: «Keine Nachrichten sind gute Nachrichten».
Aufgefallen
- die letzte Woche markierte das geringste Wochenvolumen des Jahres, Anleger spüren keine Dringlichkeit zum Handeln, in wenigen Wochen startet zudem die 1.Quartals-Berichtssaison
- Bull-Crash im Sentiment – Investoren reduzieren ihre Allokation in US-Aktien innerhalb eines Monats von einem Übergewicht von 17 % auf ein Untergewicht von 23 % – u. a. als Reaktion auf die anhaltende Unsicherheit. Gleichzeitig steigt die Allokation in europäischen Aktien um 27 % – auf den höchsten Stand seit Juli 2021 (Quelle: Bank of America, Daten per 13.3.25, FT) LOP: Ausländische Investoren halten rund 37% aller US-Aktien (Quelle: Yardeni Research)
- «there is a lot of economic uncertainty at the moment” Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England
Geschätzte Investorin, geschätzter Investor
Den Einstieg macht heute eine aufschlussreiche Analyse von Barry Eichengreen, renommierter Wirtschafts- und Politikwissenschaftler an der University of California, Berkeley. Eichengreen ist Autor von «Exorbitant Privilege: The rise and fall of the dollar», einem Standardwerk zur Rolle des US-Dollars».
Sein aktueller Beitrag, nachstehend für Sie die Zusammenfassung, in der Financial Times: Can the dollar remain king of currencies (Quelle: FT)
Der USD als dominante Weltwährung gerät zunehmend unter Druck. Seine Rolle als heutige Weltreservewährung verdankt er dem politischen und wirtschaftlichen Vertrauen in die USA – begründet durch den Aufbau starker Institutionen, wie der Federal Reserve, dem Bretton-Woods-System, dem IWF und der Weltbank.
Doch dieses Fundament wird zunehmend brüchig. Eine zweite Amtszeit von Trump könnte zentrale Pfeiler dieser Ordnung erschüttern, etwa durch den Rückzug aus internationalen Allianzen, die Verhängung einseitiger Sanktionen ohne internationale Koordination oder durch die Schwächung unabhängiger Institutionen wie der Fed. Solche Massnahmen untergraben das Vertrauen von Verbündeten wie auch von Investoren.
Hinzu kommen strukturelle Risiken wie die steigende Staatsverschuldung und die mögliche Einführung langfristiger US-Staatsanleihen mit restriktiven Bedingungen (z. B. mit 100-jähriger Laufzeit, niedriger Coupons). Auch eine potenzielle Besteuerung ausländischer Investoren würde das Vertrauen weiter belasten. Die Attraktivität des US-Dollars als weltweites Wertaufbewahrungsmittel könnte dadurch nachhaltig beschädigt werden, mit der Folge, dass sich immer mehr Länder für Alternativen (LOP: z.B. auch Gold) in anderen Währungsräumen entscheiden.
Der USD bleibt nur stark, wenn Amerika berechenbar, offen und verbündet bleibt. Eine Währungsmacht basiert nicht nur auf Wirtschaftsleistung, sondern auf Vertrauen, Stabilität und globale Zusammenarbeit. Dieses Fundament ist heute gefährdeter denn je (Quelle: B. Eichengreen, FT)
News aus den Finanzmedien 📰
- mit der Kurskorrektur bei den Mag7 Aktien liegt ihre Bewertungs-Prämie (KGV bzw. P/E) gegenüber dem S&P500 aktuell auf dem tiefsten Stand seit 2017 (Quelle: Barron’s) LOP: Die Mag7 notieren zwischen 16% (AAPL, MSFT) und 50% (TSLA)) unter ihrem 52-Wochen Höchst
- Powell wird neu die Fed-Bilanz monatlich um nur noch USD 5 Mia. kürzen, anstatt wie bisher um USD 25 Mia. Die Liquidität bleibt länger im System und so entlastet er den US-Anleihen- und Aktienmarkt (Quelle: Fed Presser) LOP: Powell Put?
- seit Jahresbeginn flossen netto USD 22 Mia. in kurzfristige US-Staatsanleihen – der stärkste Flow seit zwei Jahren (Quelle: Barron’s)
- aufgefallen: Die Performance von Berkshire Hathaway übertrifft seit dem 1. Januar 2024 jene der Mag7
- Felix Zulauf, Zulauf Consulting, warnt vor der historisch extremen Konzentration auf 10 Mega-Cap-Aktien im S&P500. Problematisch ist der kapitalgewichtete Index. Auf dem Weg nach unten werden die grössten Positionen im Index am stärksten verkauft – das hemmt die Erholung (Quelle: Blumenthal, cmg Research)
- Rob Arnott, Investor und Gründer von Research Affiliates, im Interview mit der Finanz und Wirtschaft. Arnott ist ein Befürworter der KI, jedoch hat die Monetarisierung noch nicht stattgefunden. Substanzwerte, z.B. aus dem US-Small-Mid Cap Bereich, sind günstig bewertet. Ein Vergleich zur Historie: US-Small-Cap-Value Aktien hatten von 2000 bis 2002 eine Gesamtrendite von +53%, während der Nasdaq um 50% fiel. Auch Substanzwerte aus Schwellenländern sind interessant bewertet und dürften Wachstumswerte in diesen Ländern outperformen (Quelle: Finanz und Wirtschaft)
- in den OECD-Ländern stiegen im letzten Jahr die Zinskosten auf bestehenden Schulden auf durchschnittlich 3.3% des BIP; das ist der höchste Stand seit 2007. Für Deutschland lag diese Zahl bei 1% und in den USA bei bei 4.7% des BIP.

Quelle: Hedgeye
Die OECD warnt, dass sich bei steigenden Zinsen und höheren Staatsschulden die Situation in vielen Ländern verschlechtern wird. Fast 45% der Staatschulden in der OECD laufen bis 2027 aus und müssen voraussichtlich zu schlechteren Konditionen, d.h. höhere Zinsen, refinanziert werden. Die OECD warnt: Die Verschuldung ist an und für sich nicht das Problem, aber sie muss zu wachstumsfördernden Investitionen führen (Quelle: FT)
- was hilft gegen Überarbeitung – und woran erkennt man, ob man im falschen Beruf steckt? Psychotherapeut Claas Lahmann von der Uniklinik Freiburg im Interview mit der FAZ.
Menschen streben nach Entwicklung und persönlicher Entfaltung – auch im Beruf. Arbeit kann dabei eine wichtige Rolle spielen: Sie gibt Struktur, man ist gezwungen Neues zu lernen, schafft soziale Kontakte und sie vermittelt Sinn. Unter guten Bedingungen wirkt sie sogar gesundheitserhaltend.
Doch wann wird Arbeit zur Belastung? Lahmann nennt zwei zentrale Faktoren: Überforderung (z. B. durch dauerhaften Leistungsdruck oder das Gefühl, ständig „funktionieren“ zu müssen) und Sinnverlust, etwa durch fehlende Wertschätzung. Beides kann langfristig krank machen.
Ob man im falschen Job ist, lässt sich auch an einem einfachen Gedankenexperiment erkennen: Würde man die aktuelle Stellebei einem Lottogewinn sofort kündigen? Wenn ja, dann stimmt vielleicht etwas nicht. Allerdings, so Lahmann, muss Arbeit nicht zwingend Erfüllung bringen – es reicht oft, wenn das Gesamtpaket aus Arbeit und Privatleben „ausreichend gut“ ist.
Was hilft im Alltag? Er empfiehlt kurze, bewusste Pausen: Sie helfen, sich zu regulieren und steigern die Konzentration. Auch Führungskräfte stehen in der Verantwortung – etwa dann, wenn ein destruktives Teammitglied das gesamte Umfeld belastet (Quelle: FAZ)
- die 100 besten Bücher internationaler Erzählkunst von 1925 bis 2025 – hier die Top 10: Mrs. Dalloway (Virginia Woolf), Die Falschmünzer (André Gide), Fiesta (Ernst Hemingway), Die Reiterarmee (Isaak Babel), Seitenwechsel (Nella Larsen), Die wiedergefundene Zeit (Marcel Proust), Licht im August (William Faulkner), Reise ans Ende der Nacht (Louis-Ferdinand Céline), So lebt der Mensch (André Malraux), Die Zimtläden (Bruno Schulz) – (Quelle: Der Spiegel)
Diese Woche 📆
Mo: Einkaufs-Manager Index (J, F, D, EU, UK, USA)
Di: Ifo-Index (D), Konsumenten-Vertrauen Conf Board (USA)
Mi: Dauerhafte Güter (USA),
Fr: Inflation (J), KOF-Indikator (CH), Konsumenten-Vertrauen (EU), Inflation PCE Feb, erw. 2.5%, Kern PCE erw. 2.7% (USA)
Quotes
“The US equity market is priced for perfection and the policy coming out of the White House ain’t that” Trevor Greetham, Leiter Multi-Asset Allocation, Royal Asset Mgmt)
“Wer in der Panik von seinen Investitionsgrundsätzen abweicht, riskiert langfristige Fehler.» David Bahnsen, CIO Bahnsen Group
«Arbeit sollte nicht unglücklich machen; aber sie muss einen auch nicht überglücklich machen!» Claas Lahmann, Psychotherapeut, Uniklinik Freiburg, Autor: «Wie Arbeit glücklich macht», Rowohlt-Verlag
Gewusst
- am letzten Samstag, 22. März, hätte Ostersonntag sein können. Denn nach Beschluss des 1. Konzils von Nicäa 325 n.Chr. ist Ostersonntag der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.
Der 22. März ist der überhaupt frühest-mögliche Termin. Ostersonntag, am 22.3. fand zum letztenmal im Jahr 1818 statt, und erst im Jahr 2285 wird es wieder soweit sein (Quelle: Der kleine Freuden-Kalender, Heidi Roth, Artemis)
Mit den besten Grüssen und einen guten Wochenstart wünscht,
Patrick Loser