Investment Regeln - Arthur Zeikel
Zeikel verfasste 1994 einen Brief an seine Tochter Jill mit dem Titel «an Investment letter». Der Brief enthält zeitlose Ratschläge für die Vermögensverwaltung.
von Arthur Zeikel
Persönliches Portfolio Management ist kein Wettkampfsport. Gute Investment-Management-Praktiken sind komplex und zeitaufwändig und erfordern Disziplin, Geduld und Konsistenz bei der Anwendung. Zu viele Anleger versäumen es, einige einfache, bewährte Grundsätze zu befolgen, die die Erfolgschancen verbessern und gleichzeitig das Risiko reduzieren.
Die folgenden Ratschläge sollen dir helfen:
- Übernimm Verantwortung für deine Finanzen (a fool and his money are soon parted). Anlagekapital wird zu einer verderblichen Ware, wenn es nicht richtig gehandhabt wird. Beteilige dich aktiv und intensiv. Niemand wird deine finanziellen Angelegenheiten so ernst nehmen wie du selbst. Eigenverantwortung und Aufmerksamkeit sind die Grundpfeiler eines erfolgreichen Anlegers
- Es gibt kein gratis Mittagessen (there is no free lunch). Jedes Investment birgt Risiken – es gibt keinen «free Lunch». Risiko und Rendite stehen in Wechselbeziehungen. Setze vernünftige Ziele, indem du dich an der Geschichte orientierst. Alle Renditen sind in Relation zur Inflation zu sehen. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Die meisten Anleger unterschätzen den Stress eines risikoreichen Portfolios auf dem Weg nach unten
- Lege nicht alle Eier in einen Korb (don’t put all your eggs in one basket). Eine kluge Diversifikation reduziert das Risiko. Die Verteilung der Vermögenswerte (LOP: Strategische Vermögensallokation) ist entscheidend für die langfristige Rendite. Aktien bieten auf lange Sicht höhere Renditen als Anleihen, jedoch mit höherem Risiko
- Übertreibe es nicht. Das Bestreben nach überdurchschnittlichen Renditen, führt oft zu unnötigen Risiken (never overreach for yield). Denke daran, dass die Hebelwirkung (Leverage) in beide Richtungen funktioniert. Bei der Suche nach unrealistischem Ertrag ist mehr Geld verloren gegangen, als «bei vorgehaltener Waffe» (Redewendung von Ray DeVoe, Investment Strategist, engl: «at the point of a gun»)
- Trage Sorge zu deinem Kapital, gebe höchstens die Zinsen aus, niemals Kapital (spend interest, never principal). Nimm weniger heraus, als hereinkommt; dann wird dein Portfolio im Wert wachsen und es hält ewig
- Du kannst keine relative Leistung essen (you cannot eat relative performance). Messe dein Resultat am absoluten Ertrag und vergleiche dein Ergebnis anhand deiner eigenen Ziele (LOP: was nützt es dir, wenn dein Portfolio um 12% gesunken ist und die Benchmark/Vergleichsindex um -18%, du hast trotzdem Kapital vernichtet)
- Hab keine Angst, einen Verlust zu nehmen (don’t be afraid to take a loss). Fehler sind Teil des Spiels. Der Einstandspreis einer Aktie ist eine Angelegenheit von historischer Bedeutungslosigkeit, der allenfalls für das Steueramt von Interesse ist. Vielleicht war der Kaufentscheid ein Fehler. Im Zweifelsfall gehe raus. Der erste Verlust ist nicht nur der beste, sondern in der Regel auch der geringste
- Hüte dich vor kurzlebigen Trends (watch out for fads). Jeder Trend wird auch eine entgegenwirkende Kraft erzeugen. Es gibt keine dauerhaften Unter- oder Überversorgungen. Erwarte das Unerwartete
- Handle und treffe Entscheidungen (act, make decisions). Habe Vertrauen in dein Handeln. Besser annähernd richtig, als präzise falsch
- Denke langfristig (take the long view). Gerate bei kurzfristigen, vorübergehenden Entwicklungen nicht in Panik. Halte dich an deinen Plan. Verhindere, dass Emotionen die Vernunft überholen. Market Timing funktioniert in der Regel nicht
- Glaube an den Wert des gesunden Menschenverstands (remember the value of common sense). Kein System funktioniert die ganze Zeit. Die Geschichte ist ein Leitfaden, keine Vorlage
Arthur Zeikel mit dem Schlusswort an Jill: «Das ist alles, was du wirklich wissen musst!»