From the desk of ... Korrekturen sind normal und häufig
… die Aktienmärkte bleiben im Aufwärtstrend, getragen vom Tech-Sektor, aber auch von guten Gewinnausweisen der Unternehmen. Während der S&P500 und Nasdaq auf Höchstständen notieren, liegen die Aktienmärkte Schweiz und Europa rund 3-5% unter ihren Rekordwerten von Ende Februar.
Meine heutigen Kernbotschaften:
- die Strasse von Hormus bleibt weiterhin faktisch geschlossen – die Unsicherheit ist gross – die Hoffnung auf Deeskalation scheint heute aber grösser
- die Unternehmensgewinne überzeugen mehrheitlich
- Korrekturen an den Aktienmärkten sind normal und häufig – an langfristiger Strategie festhalten, Timing ist schwierig und Diversifikation bleibt entscheidend
Die jüngsten Marktschwankungen wirken extrem, sind im historischen Vergleich aber durchaus «normal». Seit 2009gab es im S&P500 über 26 Korrekturen von mehr als −5%, trotz insgesamt stark steigender Märkte. Rückschläge gehören dazu, schreibt David Bahnsen, CEO, Bahnsen Group. Bahnsen warnt: «Das grösste Risiko liegt weniger im Markt, als im Verhalten der Anleger: Panik im Rückgang, Euphorie im Anstieg.» Für Investoren bleibt zentral: Timing funktioniert kaum, Disziplin und Diversifikation sind entscheidend.
David Bahnsen: Korrekturen sind normal und häufig (Quelle: Bahnsen Group, Dividend Café, 1.5.26)
Die nachstehende Graphik von J.P.Morgan Asset Management zeigt die Jahresrenditen und die unterjährigen Rückgänge (rote Zahlen, beziehen sich auf den jeweils grössten Verlust vom Hoch zum Tief innerhalb eines Jahres) des US-Aktienindex S&P500 von 1980 bis 2025. Als Bsp. das Jahr 1980: der S&P500 stieg im Jahr um +26%, korrigierte aber während dieses Jahres um -17%. (Quelle: J.P. Morgan Asset Management, Guide to the Markets, Daten per 31.3.26)

Quelle: Guide to the markets: https://am.jpmorgan.com/us/en/asset-management/adv/insights/market-insights/guide-to-the-markets/
Wichtige Fakten zur Graphik:
- während der Zeitspanne von 1980 bis 2025 betrugen die durchschnittlichen unterjährigen Rückgänge -14.2%
- die Jahresrenditen (1.1. bis 31.12.) fielen in 35 von 46 Jahren positiv aus, d.h. der S&P500 stieg an 3 von 4 Jahren
Geschätzte Investorin, geschätzter Investor
Wir starten gleich mit den …
News aus den Finanzmedien:
- Die jüngsten Sitzungen der vier Notenbanken – EZB, Bk of England, Canada und Japan - zeigen ein auffallend einheitliches Bild. Die Leitzinsen bleiben unverändert, die Risikobalance hat sich klar in Richtung Inflation verschoben. Treiber ist vor allem der Energiepreisschock im geopolitischen Umfeld sowie die Sorge vor Zweitrundeneffekten (Firmen erhöhen Preise, Arbeitnehmer fordern höhere Löhne) und steigenden Inflationserwartungen. Es besteht eine asymmetrische Risikoeinschätzung – Inflationsrisiken nach oben, Wachstumsrisiken nach unten. Die Tür für weitere Straffungen bleibt offen, falls sich die Inflation als hartnäckig erweist. Die Konsequenzen – Zinsen: higher for longer, Risiko: negative Inflationsüberraschungen, geldpolitischer Rückenwind: begrenzt (Quelle: Rosenberg Research, 30.4.26)
- Interview mit Rick Rieder, Chef-Anleihenstratege bei BlackRock, sieht die US-Wirtschaft als „praktisch rezessionsresistent“. Rieder war einer von vier Finalisten für das Amt des Fed-Vorsitzenden. Er meint, das nominaleWachstum (vor Inflation) könnte dank KI-Investitionen bei rund +6% pro Jahr liegen, während der Konsens der Ökonomen bei 4-5% nominalem Wachstum steht. Rieder prognostiziert auch eine tiefere Inflation dank Produktivitätsgewinnen durch KI. Rieder erwartet von Kevin Warsh, neuer Fed-Chef, solle stärker in die Zukunft blicken, anstatt auf Daten aus der Vergangenheit zu basieren. Rieder: «Wer immer nur in den Rückspiegel schauen würde, wäre ziemlich schlecht beim Investieren.» Zwei weitere Einschätzungen des renommierten Vermögensverwalters: Wenn es der US-Regierung gelingt, einen glaubwürdigen Plan zu zeigen, wie die Verschuldung reduziert werden könnte, würde dies Druck von den Zinsen nehmen und den USD nachhaltig stabilisieren. Die Anzahl börsenkotierter Firmen in den USA ist seit den 1990er-Jahren kontinuierlich gefallen – von über 7'000 auf heute um 4'000. Gründe: Übernahmen, Dekotierungen, Unternehmen bleiben privat. Das heisst: Weniger Titel, aber gleichzeitig mehr Kapital, das stützt den Gesamtmarkt (Quelle: Barron’s, 1.5.26).
- In den USA sind die Benzinpreise seit dem Iran-Krieg um USD 1.41 auf USD 4.39 pro Gallone gestiegen. Das ist der stärkste Anstieg seit den 1990er-Jahren. Allein letzte Woche war ein Anstieg von 33 Cents festzustellen. LOP: Man spricht von versteckter Steuer, wobei ich nicht verstehe, was hier versteckt ist. Plus 33 Cents heisst umgerechnet: Amerikaner gaben letzte Woche pro Tag USD 125 Mio. mehr für Benzin aus, als noch eine Woche zuvor (Quelle: Wall Street Journal, 1.5.26).
- Es zeigt sich ein klarer Unterschied zwischen Alphabet und Meta Platforms. Beide Firmen investieren massiv, aber das Geschäftsmodell ist entscheidend. Alphabet kann klar zeigen, dass sich die Investitionen bezahlt machen. Google Cloud wächst um +63% im Jahresvergleich und erreicht eine Marge von 33%. Meta verbessert seine Produkte und steigert die interne Effizienz, doch der direkte Monetarisierungseffekt bleibt vorerst begrenzt. Die Marktreaktion blieb nicht aus. Meta verlor innert Wochenfrist -10%, während Alphabet um +12% zulegte. Investoren wollen klare Beweise für Rendite auf KI-Investitionen (Quelle: Barron’s, 1.5.26).
- Die Börsenregel „Sell in May“ hält sich hartnäckig – funktioniert aber oft nicht. Jack Herr, Investmentanalyst bei GuideStone, sagt klar, dass Gewinne und Unternehmenszahlen aktuell entscheidend sind. Solange diese stimmen, kann die Rally weitergehen. In den letzten 12 Jahren lag die durchschnittliche Rendite des S&P500 vom Mai bis Oktober bei rund +6.3%. Saisonale Börsenregeln klingen gut, sind aber selten entscheidend. Am Ende zählen Gewinne und Fundamentaldaten mehr als Kalenderweisheiten (Quelle: Barron’s, 1.5.26).
- Die US-Wirtschaft wächst offiziell noch, aber der Grossteil steckt bereits in der Schwächephase. Das reale BIP lag im 1. Quartal bei +2.0% (annualisiert) und wirkt auf den ersten Blick solide. Schaut man aber unter die Oberfläche, kippt das Bild deutlich. KI-Investitionen, Gesundheitswesen und Finanzsektor wuchsen zusammen mit rund +11%, der Rest der Wirtschaft ist geschrumpft. Konkret: 72% der US-Wirtschaft sind im ersten Quartal mit −1.1% (annualisiert) gefallen, nach −1.8% im Vorquartal. Tech-Investitionen sind um +23.3% (annualisiert) gestiegen und haben alleine rund 1.5 Prozentpunkte zum BIP beigetragen. Das Wachstum steht auf wenigen Säulen und genau das macht die Lage für Anleger anfällig (Quelle: Rosenberg Research, 1.5.26).
- Wolfgang Reitzle verabschiedet sich von der deutschen Industrie. Er war einer der einflussreichsten Industrieköpfe der letzten Jahrzehnte, mit Mandaten bei BMW, Ford, Linde und Continental. Er versteht also Industrie. Seine Kritik ist deutlich: hohe Kosten, zu viel Bürokratie und eine aus seiner Sicht falsche Energiepolitik. Besonders kritisch: Strompreise gehören zu den höchsten weltweit. Deutschland verliere an Attraktivität, während andere Länder davon profitieren. Gleichzeitig bleibt er konstruktiv – Innovation sei da, aber die Umsetzung in skalierbare Geschäftsmodelle schwach (Quelle: FAZ, 27.4.26).
Hauptversammlung von Berkshire Hathaway, Sa, 2.5.26 – Omaha/Nebraska
Das Unternehmen hat seine Liquidität weiter erhöht – nun bei rund USD 380 Mia. Im Mai 2024, als ich an der HV teilnahm, musste Buffett ausführlich begründen, weshalb die Liquidität hohe USD 185 Mia. beträgt, etwa 1/3 der gesamten Vermögenswerte. Genau diese Liquidität war in früheren Krisen der Schlüssel zum Erfolg. Ob Finanzkrise oder andere Stressphasen, Buffett hat Kapital dann eingesetzt, wenn andere verkaufen mussten.
Der neue CEO Greg Abel denkt ähnlich. Die grosse Frage ist nicht, ob Berkshire heute performt, sondern wann sich wieder Chancen ergeben. Geduld und Liquidität sind oft wichtiger als perfektes Timing.
Einige Stimmen von der gestrigen HV:
Warren Buffett, Chairman: „We’re not seeing many bargains (Gelegenheiten) out there. Patience is something that has paid off for us over time. I still think equities are the place to be over the long term.“
Greg Abel, CEO: „Nothing changes in how we allocate capital. We will be disciplined. If we don’t see value, we won’t act. We’re prepared for large opportunities, but they have to make sense.“
Ajit Jain, verantwortlich für Versicherungsgeschäft: „The risks are getting harder to quantify. If pricing is inadequate, we will simply step back. Climate-related losses are clearly increasing.“
Kalender:
Mo: PMIs (CH, D, F, EU), Zahlen: Palantir,
Di: Inflation (CH), Hausverkäufe, ISM Services (US), Zahlen: AMD, Shopify
Mi: Produzentenpreise (EU), Zahlen: Arm Holdings, Uber, Disney,
Do: Arbeitslosigkeit (CH), Detailhandel (EU), Zahlen: McDonald‘s
Fr: Industrieproduktion (D), US-Arbeitsmarktbericht für April, Nonfarm Payrolls, erw. +50‘000 (März: +178k) Univ. of Michigan (US), Zahlen: Wendy’s,
Quotes:
„It is not the ideal environment to invest record cash.“ Warren Buffett, Berkshire Annual Meeting
„If you’re buying one-day options or selling them - that’s not investing, it’s not speculating – it’s gambling!“ Warren Buffett
-«Der erfolgreiche Investor akzeptiert Rückgänge und nutzt diese für Reinvestitionen.» David Bahnsen, CEO Bahnsen Group
In eigener Sache:
Vergangenen Donnerstag, 30. April 2026, war mein letzter Arbeitstag bei UBS. Ein Rückblick: Am Montag, 14. April 1980, startete ich meine Banklehre beim Schweizerischen Bankverein, Multertor, St. Gallen. Meine UBS-Reise führte mich von St. Gallen nach Nyon (Société de Banque Suisse, Place Bel-Air), weiter nach New York (SBC Portfolio Management Intl., Inc., 1 World Trade Center), zurück nach St. Gallen (SBV, Vermögensverwaltung, Gartenstrasse), nochmals nach New York (UBS Wealth Management, Park Avenue) und schliesslich wieder nach St. Gallen (UBS Wealth Management, Bahnhofplatz).
Mit grosser Dankbarkeit blicke ich auf diese Jahre zurück. Gleichzeitig schaue ich mit viel Freude und Zuversicht nach vorne. Ein neues Kapitel beginnt: die Selbständigkeit.
In den kommenden Wochen werde ich meine Homepage «From the desk of» wieder aktivieren – finally, I’m very excited. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Sie mit meinen ausgewählten Nachrichten und Einschätzungen weiterhin begleiten dürfte. Vielen Dank für Ihr Vertrauen.
Mit den besten Grüssen und einen guten Start in die neue Woche wünscht,
Patrick Loser
Quiz: Rikudo – bringe die Zahlen von 1 bis 36 in eine durchgehende, korrekte Reihenfolge. Einige Zahlen sind bereits vorgegeben und dienen als Orientierung. Die Aufgabe ist es, die fehlenden Zahlen so in die freien Felder einzutragen, dass immer zwei aufeinanderfolgende Zahlen direkt nebeneinander liegen. Jede Zahl muss ein Nachbarfeld ihrer Vorgänger- und Nachfolgerzahl berühren. Am besten startest du bei der 1 (oder alternativ bei der 36) und arbeitest dich Schritt für Schritt vor oder auch zurück. Wichtig ist, auf Felder zu achten, die nur eine mögliche Anschlusslösung zulassen, dort kannst du die nächste Zahl sicher eintragen. Ziel ist es, am Ende eine lückenlose Zahlenkette von 1 bis 36 zu erhalten, die sich durch das gesamte Spielfeld zieht (Quelle: Jeux Vacances, No. 6, Juillet-Août 2025).
Einfach und mittel:
Wichtiger Hinweis:
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