From the desk of ... Demut vor dem Markt

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From the desk of ... Demut vor dem Markt
(Quelle: Montauk, NY, Gone Fishing, Eigenes Foto)

…selbst die Besten schlagen den Markt nur selten. Aktives Stock Picking klingt verlockend: Mit der Auswahl der besten Unternehmen soll der Gesamtmarkt übertroffen werden. Wie schwierig das selbst für erfahrene Profis ist, zeigt der Barron’s Roundtable – ein traditionsreicher Wettbewerb der Finanzzeitschrift Barron’s, bei dem renommierte Investoren regelmässig ihre aussichtsreichsten Aktienideen präsentieren. Elf bekannte Investoren veröffentlichten, unterstützt von ihren Analystenteams, im Sommer 2025 und Anfang 2026 ihre Aktien-Favoriten. Als Benchmark diente der amerikanische S&P 500.

In der aktuellen Ausgabe zog Barron’s Bilanz: Von 55 Kaufempfehlungen aus dem Sommer 2025 entwickelten sich bis zum 30. Juni 2026 lediglich 23 Titel (42%) besser als der S&P 500. Von den 73 Empfehlungen vom Januar 2026 lagen nur 34 Aktien (47%) vor dem Index. Das Resultat zeigt deutlich: Selbst einige der renommiertesten Investoren der Wall Street schlagen den Markt nur in weniger als der Hälfte ihrer Empfehlungen. Erfolgreiches Stock Picking bleibt die Ausnahme – nicht die Regel.

Ein Panelist sticht bei dieser Auswertung hervor: David Giroux, Chief Investment Officer bei T. Rowe Price. Sowohl mit seinen Empfehlungen aus dem Sommer 2025 (5 von 6, Trefferquote 83%) als auch mit der Auswahl seit Januar 2026 (9 von 11) war er der mit Abstand erfolgreichste Stock-Picker.

Wir wollen seine aktuelle Markteinschätzung hören. Sie finden seinen Kommentar unten in der Rubrik „Anlageüberlegungen“ (Quelle: Barron’s, Roundtable Pros, 10.7.26).

Geschätzte Investorin, geschätzter Investor

Die vergangene Woche blieb von den geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten geprägt. Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung wurden zum Wochenschluss gedämpft, nachdem die US-Regierung das Ende der Waffenruhe im Iran-Krieg bekräftigte. Entsprechend bewegten sich die Märkte zwischen Zuversicht und Eskalationssorgen. In der kommenden Woche stehen neben den Entwicklungen im Nahen Osten vor allem der US-Inflationsbericht sowie der Start der Berichtssaison im Fokus.

Heutige Kernbotschaften:‼️

  • der Index ist der härteste Gegner, den Markt zu schlagen bleibt schwierig
  • die Geopolitik bleibt unberechenbar, der Ölpreis liefert wichtige Signale
  • die bevorstehende Gewinnsaison für das 2. Quartal liefert den nächsten Realitätscheck

News aus den Finanzmedien:🗞️

  • Die Börse setzt aktuell voraus, dass sich die riesigen Investitionen in Künstliche Intelligenz rasch auszahlen. Genau hier sieht Torsten Sloek, Chefökonom bei Apollo Global Management, das Risiko. Er erklärt, dass die Bewertungen der grossen Tech-Konzerne davon abhängen, wie schnell die erwarteten Umsätze und Cashflows tatsächlich eintreffen. Der Markt geht derzeit davon aus, dass sich Umsatz und freier Cashflow der Hyperscaler innerhalb von drei bis vier Jahren etwa verdoppeln. Sollte sich die Einführung von KI in der Wirtschaft verzögern, könnten diese Erwartungen enttäuscht werden und die US-Wirtschaft sogar in eine Rezession geraten. Gleichzeitig würden länger hohe Zinsen den Druck auf Tech-Aktien zusätzlich erhöhen, weil ihre Bewertungen besonders stark von den künftigen Gewinnen abhängen. Wenn die Monetarisierung langsamer verläuft, sind die heutigen Bewertungen zu hoch. Kommen die Einnahmen schneller als erwartet, wären die Aktien sogar günstig (Quelle: Interview Sloek bei CNBC, YouTube, 9.7.26).
  • Das Tech-Risiko wird teurer: Die Absicherung gegen Kursschwankungen bei Technologieaktien ist deutlich kostspieliger geworden. Die implizite Volatilität des Nasdaq 100 ist im Vergleich zum S&P 500 so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Beispiel: Absicherung für die Aktie AMD (US-Halbleiter): Kurs USD 549, Put Option mit Verfall Sept 2026 (Lz 2 Mte, knapp 50 Börsentage), Strike USD 500, Prämie USD 48. Die effektive Absicherung wäre bei USD 452 (Recht zum Verkauf bei 500, Kosten 48), also 17.7% unter dem aktuellen Kurs (Quelle: Yahoo Finance, 10.7.26, 17.30). Die Optionenmärkte senden ein Warnsignal: Während viele Privatanleger weiterhin spekulative Optionen kaufen (Call Optionen), verlangt der Markt inzwischen deutlich höhere Preise für die Absicherung (Put Optionen) (Quelle: Wall Street Journal, Spencer Jakab, 10.7.26).
  • Die ETF-Nachfrage (passive Anlagen) bleibt 2026 aussergewöhnlich stark und zeigt, dass Anleger trotz hoher Bewertungen weiter investiert bleiben. Laut State Street dürften die Zuflüsse in ETFs dieses Jahr weltweit erstmals USD 2'300 Mia. erreichen, nach dem bisherigen Rekord von USD 1'500 Mia. im Jahr 2025. Das Vermögen der in den USA kotierten ETFs stieg auf den Rekordwert von USD 15'800 Mia. Besonders gefragt sind aktive ETFs sowie Obligationen-ETFs mit kurzer Laufzeit. Auch internationale Aktien-ETFs verzeichneten mit USD 228 Mia. hohe Zuflüsse und machten rund 34% aller Aktienzuflüsse aus. Das zeigt, dass Anleger ihre Portfolios zunehmend breiter diversifizieren (Quelle: Barron's, 6.7.26).
  • Amazon hat diese Woche überraschend USD 25 Mia. am Anleihenmarkt aufgenommen. Trotz der hohen Bonität fiel die Nachfrage mit einem Orderbuch von USD 41 Mia. deutlich tiefer aus als üblich. Das zeigt, dass Investoren nach der Flut neuer Anleihen der grossen KI-Konzerne vorsichtiger werden. Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle haben dieses Jahr bereits rund USD 194 Mia. Fremdkapital aufgenommen, rund 62% mehr als im gesamten Jahr 2025 (Quelle: Grant’s Interest Rate Observer, 9.7.26).
  • Andrew Balls, Chef Anleihen bei Pimco, unterstützt den Plan von Fed-Präsident Kevin Warsh, die sogenannte Forward Guidance zurückzufahren. Balls erklärt, Zentralbanken sollten künftige Zinsschritte nicht zu detailliert ankündigen. In einem unsicheren Umfeld könnten solche Prognosen Anleger eher in die Irre führen als Orientierung bieten. Eine Notenbank müsse flexibel auf neue Daten reagieren, statt sich frühzeitig auf einen Zinspfad festzulegen (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.7.26).
  • Japan will seinen riesigen staatlichen Pensionsfonds GPIF dazu bewegen, wieder stärker im eigenen Land zu investieren. Finanzministerin Satsuki Katayama spricht von wesentlich höheren Anlagen in japanische Aktien und Anleihen. Formal entscheidet der Fonds selbst, politischer Druck ist aber klar vorhanden. Ziel ist, den schwachen Yen zu stützen und den heimischen Anleihemarkt zu stabilisieren. Der GPIF verwaltet rund EUR 1‘600 Mia. und hält etwa USD 232 Mia. in US-Staatsanleihen. Elmar Völker, Analyst der LBBW, warnt deshalb, dass Umschichtungen die Nachfrage nach US-Anleihen schwächen und deren Renditen erhöhen könnten. Eine solche Wende wäre bedeutend, weil der GPIF 2020 noch stärker ins Ausland investiert hatte (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.7.26).
  • Neue Studien von LSE, Oxford und der New York Fed legen nahe, dass erstmals viele junge Erwachsene real weniger verdienen als frühere Generationen im gleichen Alter, während Wohneigentum und Hochschulbildung deutlich teurer geworden sind. Seit 1974 stieg das reale Arbeitseinkommen in den USA um rund 40%, der S&P 500 dagegen um rund 4’000%. Professor Scott Galloway, von der NYU Stern School, argumentiert, dass Vermögensbildung zunehmend vom Besitz von Kapital statt von Erwerbsarbeit abhängt – mit weitreichenden Folgen für Vermögensverteilung, Konsum und sozialen Zusammenhalt. Seine Schlussfolgerung: Kapital schlägt Arbeit. Begünstigt wurde dieser Trend von der US-Politik durch jahrzehntelang sinkende Zinsen, Globalisierung, technologischen Fortschritt, Aktienrückkäufe und ein Steuersystem, das Kapitalerträge vielerorts günstiger behandelt als Arbeitseinkommen. Wer Kapital besass und investiert war, habe deutlich stärker vom wirtschaftlichen Fortschritt profitiert als Personen, die ausschliesslich von ihrem Lohn lebten (Quelle: Scott Galloway, Prof. NYU Stern School, 0.7.26).
  • Oliver Kahn, einer der grössten Torhüter der Fussballgeschichte, sieht den Grund für den Misserfolg der deutschen Fussball-Nationalmannschaft nicht beim Trainer. Er verweist darauf, dass mit Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann drei Trainer mit unterschiedlichen Führungsstilen am gleichen Problem gescheitert sind. Als Schlüsselmoment nennt er das Elfmeterschiessen gegen Paraguay. Joshua Kimmich, Captain, suchte einen Schützen. Für Kahn sollte das in einer Spitzenmannschaft nicht nötig sein. Eine Spitzenmannschaft sucht nicht nach Freiwilligen. Sie hat Spieler, die den Ball verlangen. Verantwortung entsteht nicht erst in solchen Momenten. Sie wird über Jahre gelernt. Junge Spieler müssen früh erfahren, dass Verantwortung nichts ist, was man an andere weitergibt oder auf später verschiebt. Sie bedeutet, Entscheidungen zu treffen, Fehler zu akzeptieren und trotzdem wieder Verantwortung zu übernehmen. Für Kahn ist genau diese Haltung die Grundlage für Spitzenleistungen – im Sport ebenso wie im Berufsleben (Quelle: LinkedIn, Oliver Kahn, 1.7.26).

Anlageüberlegungen aus der Finanzpresse:🏦

 nur für Marketingzwecke, keine aktive Kaufs-/Verkaufsempfehlung,

  • David Giroux, CIO, T. Rowe Price: Im Gegensatz zu vielen Investoren, die weiter auf das KI-Thema setzen, richtet Giroux seinen Blick vor allem auf Biotechnologie und Pharma. Seine zentrale These: Die grossen Pharmakonzerne stehen in den kommenden zehn Jahren vor Patentabläufen im Umfang von USD 400 bis 500 Mia. Diese Umsatzlücke könne mit der eigenen Forschung kaum geschlossen werden. Stattdessen dürften Übernahmen kleiner und mittelgrosser Biotechunternehmen deutlich zunehmen.  Giroux spekuliert nicht primär auf kurzfristige Übernahmen, sondern argumentiert, dass viele dieser Unternehmen auch ohne Akquisition das Potenzial hätten, Medikamente mit USD 2 bis 10 Mia. Jahresumsatz zu entwickeln. Die mögliche M&A-Welle ist für ihn deshalb eher ein zusätzlicher Kurstreiber. Er sucht Unternehmen mit fortgeschrittenen Phase-2- oder Phase-3-Studien. Für mehr Details, bitte ich um Kontakt (Quelle: Barron’s, 11.7.26).
  • Dave Rosenberg, CEO Rosenberg Resarch, hat sein Modellportfolio angepasst. Er halbiert seine Goldposition (von 5% auf 2.5%, er bleibt positiv, benötigt aber Kapital für neue Themen) und verkauft Raffinerieaktien nach der starken Kursentwicklung. Neu setzt er auf Strominfrastruktur. Rosenberg erwartet, dass der Ausbau von KI-Rechenzentren in den kommenden Jahren hohe Investitionen in die Stromversorgung auslösen wird. Ebenfalls neu im Portfolio ist Biotechnologie. Er geht davon aus, dass Künstliche Intelligenz die Medikamentenentwicklung beschleunigen und damit das Gewinnwachstum der Branche verbessern wird. In Asien verbreitert er seine Positionierung und investiert neu in Japan und Indien. Dort sieht er attraktivere Bewertungen und bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als in den zuletzt stark gewichteten Märkten Südkorea und Taiwan (Quelle: Rosenberg Research, 9.7.26).

Kalender: 📅

Kevin Warsh am Di und Mi im US-Kongress mit Halbjahresbericht

Di: Handelsbilanz (China), Inflation (US), Kevin Warsh im Kongress, Zahlen: Bk of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan

Mi: Industrieprod. (EU), Beige Book, PPI, NY Fed Business Umfrage (US), Zahlen: BlackRock, Morgan Stanley, Johnson&Johnson, ASML

Do: Industrieprod., Handelsbilanz (GB), Hausverkäufe, Zahlen zum Detailhandel (US), Zahlen: Netflix, Taiwan Semi

Fr: Inflation (EU), Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion (US)

Quotes:👨‍🔬

  • There is nothing more powerful than a market that has changed its mind.” Arthur Cashin, Jr., legendary NYSE floor trader, director of floor operations UBS Financial Services, 1941-2024).
  • Je grösser Unternehmen werden, desto schwieriger wird es, aussergewöhnliche Wachstumsraten dauerhaft aufrechtzuerhalten.“ David Bahnsen, CEO Bahnsen Group

 

Ob beim Stock Picking, in der Geldpolitik oder in der Geopolitik – die Unsicherheit bleibt der einzige verlässliche Begleiter der Finanzmärkte. Wer die Risiken im eigenen Portfolio kennt, richtig einschätzt und langfristig investiert bleibt, erhöht seine Chancen auf nachhaltigen Anlageerfolg.

Mit dem US-Inflationsbericht, den ersten Quartalszahlen und den Anhörungen von Kevin Warsh dürfte die kommende Woche bereits den nächsten Härtetest für die Märkte liefern.

Mit den besten Grüssen - schade dass es heute Morgen nicht gereicht, aber insgesamt ein tolles Turnier gespielt - und einen guten Start in die neue Woche oder erholsame Sommerferien wünscht,

Patrick Loser … stilistisch nicht ganz einwandfrei, aber in der Praxis verständlich

Quiz:

Suguru - Viel Spass beim Suguru - Die dicken Linien kennzeichnen Bereiche, mit einer Grösse von ein bis fünf Quadraten. Füllen Sie jeden Bereich mit einer Ziffer, beginnend mit 1. Ein Bereich mit nur zwei Quadraten enthält beispielsweise die Ziffern 1 und 2; ein Bereich mit 5 Quadraten enthält die Ziffern von 1 bis 5. Benachbarte (aneinandergrenzende) Quadrate, auch solche, die sich diagonal berühren, dürfen niemals dieselbe Ziffer enthalten (Quelle: krazydad.com)