From the desk of ... US-Midterms
Am 3. November zählt für Anleger vor allem, wo das Wahlergebnis von den Erwartungen abweicht und welche Branchen die Folgen spüren.
- Die Ausgangslage:
Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze stehen zur Wahl. Für die Mehrheit im Repräsentantenhaus sind 218 Mandate nötig; im Senat brauchen die Demokraten netto vier zusätzliche Sitze (Quelle: Financial Times, 26.–28.10.26).
- Die Demokraten sind im Repräsentantenhaus klar favorisiert:
Das Modell des Economist beziffert diese Chance auf 95%. Für eine demokratische Senatsmehrheit liegt die Wahrscheinlichkeit bei 54%; dort bleibt der Ausgang weitgehend offen. Wettmärkte sehen die Demokraten dort mit rund 67% deutlicher vorne. Die Unterschiede zeigen, wie unsicher gerade die Senatsprognosen bleiben (Quelle: The Economist, 28.10.26). Evercore ISI sieht die Chance einer demokratischen Senatsmehrheit bei 60%, jene einer Mehrheit von mindestens 52 Sitzen jedoch nur bei 20% (Quelle: Evercore ISI, LinkedIn, 29.10.26).
- Was den Wahlkampf prägt:
Die Lebenshaltungskosten bleiben zentral. Benzin kostete am 26.10. durchschnittlich USD 4.28 je Gallone, gegenüber USD 3.14 ein Jahr zuvor. Der Iran-Krieg und hohe Energiepreise belasten die Republikaner. Gleichzeitig wächst der Widerstand gegen Rechenzentren wegen steigender Stromkosten und der geringen Zahl neuer Arbeitsplätze (Quelle: Financial Times, 26.–28.10.26).
- Was die Geschichte zeigt:
Bei 18 der 20 Zwischenwahlen von 1946 bis 2022 verlor die Präsidentenpartei Sitze im Repräsentantenhaus. Die Ausnahmen waren 1998 und 2002. Die Mehrheitsverhältnisse in beiden Kammern können sich allerdings unterschiedlich entwickeln: 2018 verloren die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus, während die Republikaner im Senat zwei Sitze hinzugewannen (Quelle: American Presidency Project, Datenstand 13.7.26).
- Wo Anleger konkret hinschauen sollten:
Banken, Pharmaunternehmen und Krankenversicherer könnten bei demokratischen Mehrheiten stärker ins Visier von Untersuchungen geraten. Bei Rechenzentren steht die Finanzierung der Stromversorgung im Fokus. Barron’s sieht zudem das Risiko, dass Trump bei blockierten Gesetzesvorhaben verstärkt auf Zölle setzt. Für Unternehmen zählen die Folgen für Kosten und Gewinne (Quelle: Barron’s, 22.10.26).
- Mit Investitionen bis nach der Wahl warten:
Matthew Gregory, Leiter Finanzplanung bei The Bahnsen Group, rät, Anlageentscheide an der persönlichen Finanzplanung auszurichten. Aus dem Wahlausgang lässt sich kein verlässlicher Kauf- oder Verkaufszeitpunkt ableiten (Quelle: The Bahnsen Group, 23.10.26).
Die Wahl kann einzelne Branchen bewegen. Eine Wahlprognose ersetzt aber keine Anlagestrategie. Entscheidend bleiben Unternehmensgewinne, Bewertungen der einzelnen Anlageklassen, Zinsen und das eigene Risikobudget.
Mit den besten Grüssen und ein schönes Wochenende wünscht,
Patrick Loser
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